Grippe-Welle

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Laut Robert-Koch-Institut hatten wir die schwerste Erkrankungswelle an Echter Grippe (Influenza) und anderen Atemwegserkrankungen der letzten 10 Jahre zu verzeichnen. Wie kam es dazu, wie sind wir damit umgegangen, und können wir so etwas zukünftig verhindern ?

Die erste bittere Antwort ist, Nein, verhindern können wir solche Wellen nicht. Aber man kann solchen Ereignissen besser begegnen, und sich und damit auch andere besser schützen.
Was ist passiert in der Saison 2017/2018. Nach mehreren Jahren der relativen Ruhe in Bezug auf Echte Grippe (Influenza) kam es in diesem Jahr zu einen schweren weltweiten Ausbruch der Erkrankung, insbesondere in Europa. Das ist an sich nichts besonderes. Es gab schon immer Jahre mit wenig Influenza und dann wieder ein Jahr mit starker Präsenz. Eigentlich haben alle Mediziner einen solchen Ausbruch erwartet. Was nicht erwartet wurde, war die Heftigkeit des Ausbruchs und der Umstand, dass relativ viele Fälle von Influenza B auftraten. 

 Grippefälle in Deutschland 40. Woche 2017. Blau = Null

Grippefälle in Deutschland
40. Woche 2017.
Blau = Null

Nun war das aber nicht vorhersehbar. Demzufolge waren natürlich fast alle Menschen, zumindest die, die sich überhaut haben impfen lassen, nicht gegen Influenza B geschützt. Der sogenannte Dreifachimpfstoff enthält die B-Komponente nicht, der Vierfachimpfstoff sehr wohl. Es war aber bisher auch nicht nötig, flächendeckend 4-fach zu impfen. Für die kommende Saison sieht das natürlich anders aus. Ein Vergleich mit der Schweinegrippe seinerzeit ist hier angebracht. Seit der damaligen Saison, bei der auch niemand mit dem Typ H1N1 gerechnet hat, ist diese Komponente jedes Jahr im 3-fach Impfstoff enthalten. Das weiß nur niemand. Und neben der Influenza B gab es in diesem Jahr auch ganz viele Fälle von H1N1, also Schweinegrippe, vor der diejenigen, die 3-fach geimpft waren, natürlich geschützt  waren. Also zu behaupten, der 3-fach Impfstoff habe nichts getaugt, ist schlicht weg falsch. Er hat ganz viele Menschen geschützt, eben nur nicht gegen die B-Komponente.

 Grippefälle in Deutschland 8. Woche 2018 Rot = extrem hoch

Grippefälle in Deutschland
8. Woche 2018
Rot = extrem hoch

Die Aussage, die Impfung habe nichts geholfen oder Kassenpatienten hätten wissentlich und vorsätzlich nur die "billige Variante" bekommen, ist also nicht korrekt. Im übrigen sind es nicht die Ärzte, nicht irgendwelche Institutionen oder Regierungen, die darüber entscheiden, welche Grippeimpfstoffe eingesetzt werden, sondern ausschließlich Ihre Krankenkassen. Wegen jeder kleinen Zuzahlung bei einem Fiebersaft oder einer Tube Salbe wird zum Hörer gegriffen und die Krankenkasse angerufen. Ich habe noch nicht gehört, daß mal jemand von seiner Kasse einen anderen Grippeimpfstoff gefordert hätte.

Was können wir also tun, damit es uns in der Zukunft nicht noch einmal so heftig trifft ?

Nach ersten Informationen soll ab der kommenden Saison der 4-fach Impfstoff zum Standartimpfstoff  werden. Wenn nicht, hier die erste Forderung: verlangen Sie von Ihrer Krankenkasse den 4-fach Impfstoff. Aber das setzt natürlich die Bereitschaft voraus,  sich überhaut impfen zu lassen. Wir sind mehrfach in der Praxis gefragt  worden, warum wir nicht krank werden. Hier die Antwort: Wir impfen uns seit ganz vielen Jahren gegenseitig gegen Grippe. Als in diesem Jahr bekannt wurde, daß die B-Komponente Schwierigkeiten machen wird, haben wir das gesamte Team nach Empfehlung des Robert-Koch-Institutes ein zweites mal in dieser Saison mit dem 4-fach Impfstoff nachgeimpft; auf unsere eigenen Kosten. Nur so konnten wir diese Saison durchstehen und Ihnen und Ihren Kindern, ohne selbst problematisch zu erkranken, helfen.

Also lassen Sie sich bitte im Herbst 4-fach impfen. Das ist die einzige Methode, nicht an Influenza zu erkranken. "Normale" Erkältungskrankheiten bekommt man natürlich auch so, aber die lassen sich ertragen. Wir habe diese Infekte meist am Wochenende jeder für sich auskuriert. Hier auch noch einmal ein Dank an alle Mitarbeiter. Man darf nie außer acht lassen, daß eine hohe Zahl von Influenza natürlich eine hohe Zahl anderer Atemwegserkrankungen und auch an Komplikationen wie Lungenentzündungen, Mittelohrentzündungen oder Herzkreislauferkrankungen nach sicht zieht. Wir werden erschrecken, wenn die Negativstatistiken dieser Saison irgendwann veröffentlicht werden.

Ein großes Problem ist auch der Umstand, daß die Bevölkerungen nicht bereit ist, im Rahmen einer solchen Epidemie ihre gewohnten, aber falschen Lebensgewohnheiten, zu ändern. Es macht einen Unterschied, ob man im  Sommer ins Freibad, oder während der schwersten Grippewelle der letzten Jahre bei -10Grad ins Hallenbad geht. Ebenso  sind Massenveranstaltungen hier zu nennen; ich sage nur Karneval. Weitere Beispiele gäbe es ohne Ende. 
Sich eine Influenza oder eine andere schwere Atemwegserkrankungen eingefangen zu haben, ist nicht immer schicksalhaft. Vergessen sie das über den Sommer hinweg bitte nicht, beugen Sie im Herbst vor und ändern Sie Ihre Lebensgewohnheiten währen der nächsten Grippewelle.

Ihr Doktor Berlin.