"Essen wir noch, oder Schmieren wir schon"

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Ferien sind für Kinderärzte, die ihre Praxis geöffnet halten, immer eine Herausforderung. Es kommen viele Patienten von anderen Kollegen (viele haben verdienten Urlaub), die andere Ansichten und Anschauungen zu bestimmten Dingen haben. Und es kommen sehr viele Väter. Schließlich hat der Vater Urlaub und kann sich mal Dinge kümmern, die  sonst in die Pflichten der Mütter gehören.

Und so kam dann in der letzten Woche dieser Vater mit seinem 6-jähren Sohn, der eine eitrige Bindehautentzündung hatte. Der Vater klagte darüber, daß seine Frau nun schon seit Tagen Muttermilch (die Mutter hatte gerade ein neues Geschwister geboren) ohne Erfolg mehrfach am Tag dem 6jährigen in die Augen hinein fabriziert hatte.
Der Vater: „Irgendwie funktioniert das nicht.“
Der Junge: „Das ist eklig.“

Ich hatte ja in letzter Zeit schon so manches gehört, aber das war zu viel des guten. Der Kummer dieses 6jähren, der mit geröteten, eitrigen und muttermilchverschmierten Augen vor mir saß, brach mir endgültig das Herz und ließ mich diesen Blog schreiben.

Wir müssen einer unumstößlichen Tatsache ins Auge sehen. Nahrungsmittel dienen der Ernährung und nicht der Körperpflege. Sie sind in ihrer Grundform auch kein Medikament. Das gilt sowohl für Muttermilch, als auch für Olivenöl und vieles andere mehr. Muttermilch gehört in den Magen des Babys und nicht in die entzündete Augen, nicht bei Schnupfen in die Nase und auch nicht auf entzündete und noch nicht abgeheilte Nabelschnureste. Jeder Erwachse kennt das Gefühl, wenn er sich mal verschluckt und ihm beispielsweise dabei die gerade getrunkene Milch wieder zur Nase herauskommt. So geht es dem Baby auch. Stellen sie sich doch bei allem, was sie mit dem Baby machen vor, wie es ihnen ergehen würde. Baden oder Duschen sie mal eine Woche nicht. Und dann setzen sie sich in eine Badewanne mit lauwarmem Wasser angereichert mit Olivenöl oder Muttermilch, natürlich ohne Seife oder Badeschaum. Millionen von alten Hautzellen, die weg müssen gemischt mit einem Fett- und Schweißfilm ergeben jetzt mit dem Olivenöl des Badwassers erst die richte klebrige Masse auf ihrer Haut Wie fühlen sie sich jetzt?

Seife wird bereits im alten Testament erwähnt. Sie gehört zu den bahnbrechenden Erfindungen der Menschheit. Sie hat die Körperpflege und damit den Gesundheitsgrad der Menschen revolutioniert. Sie senkt die Oberflächenspannung des Wassers. Dadurch kann des Wassers viel besser an schwerer zugängliche Stellen des Körpers gelangen, um dort die eigentlich reinigende Wirkung, nämlich die Lösung von Fett, Öl, Schmutz, Staub und alten abgestorbenen Hautzellen vollziehen zu können.

Nun sind wir nicht mehr auf Kernseife angewiesen. Es gibt heute so viele gute Kinderpflegeprodukte auf dem Markt, daß man eigentlich überhaupt nicht nachvollziehen kann, warum man in das Badewasser fürs Baby nun gerade Olivenöl geben soll. Nebenbei bemerkt, bei keinem Nahrungsmittel wird bei der Herstellung soviel betrogen wie bei Olivenöl. Aber darüber, daß das Baby möglicherweise in mit Maschienenöl gepanschtem Olivenöl badet, macht sich offensichtlich keiner Gedanken.

Also liebe Eltern, in entzündete Augen gehören vernünftige Augentropfen, der entzündete nässende Nabel braucht etwas Trocknendes wie z.B. Puder und das Babybad braucht Seife. Und wenn dieser Badezusatz dann auch noch gut riecht und man das Baby täglich badet, fühlt es sich pudelwohl, die Mutter ist glücklich und der Vater kann gar nicht mehr vom Kind lassen.

Noch einer kleiner Nachsatz zur Muttermilch: Stillen kann die schönste Sachen der Welt sein. Wenn alle damit zufrieden und glücklich sind. Eine Mutter, die von ihrer Umwelt, also all den guten Freunden unter Druck gesetzt wird, kann zum Nervenbündel werden. Ein mütterliches Nervenbündel tut dem Baby überhaupt nicht gut. Und die ersten Lebensmonate reichen auch aus.

Damit es nicht so endet wie hier zu sehen.

Ihr Doktor Berlin