Zäpfchen oder Saft ?

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Wir wollen heute über Zäpfchen sprechen. Die exakte Bezeichnung ist Suppositorium. Hier sprechen wir von den sogenannten Rektalzäpfchen und den Vaginalzäpfchen. Da es hier um Kinderheilkunde geht, verbleiben wir einfach beim dem Begriff Zäpfen und meinen das Rektalzäpfchen.

Das Zäpfchen ist eine Form der Medikamentengabe, die vielerlei Möglichkeiten bietet und vielleicht für Sie auch so manche Überraschung parat hat. Wir wollen uns auch deshalb mit dem Thema beschäftigen, weil es eine zentrale Rolle in der deutschen Kinderheilkunde spielt. Und hier haben wir schon das erste Phänomen. Suchen sie einmal in einer amerikanischen Apotheke Zäpfchen für Kinder. Das wird ein schwieriges Unterfangen. Zäpfchen sind eine europäische, insbesondere deutsche Besonderheit.

Welche Medikamente werden eigentlich als Zäpfchen angeboten. An erster Stelle stehen natürlich die Fieber- und Schmerzzäpfen, die alle Eltern kennen. Dann haben wir Zäpfchen gegen Übelkeit und Erbrechen und nicht zuletzt die Zäpfchen gegen den Pseudokrupp oder die Spastische Bronchitis bzw. den Asthmaanfall, die so manche Fahrt in der Nacht Richtung Kinderklinik verhindern können. Was es nicht bzw. nicht mehr gibt sind antibiotische Zäpfen, Zäpfchen gegen Husten oder andere Erkältungssymptome.    

Nähern wir uns der Frage, warum verabreichen wir Zäpfchen? Genau genommen gibt es drei wesentliche Gründe:
1) Zum einen, wenn der Patient nicht in der Lage ist, Medikamente zu schlucken, weil er beispielsweise erbrechen muß, eine ernsthafte Erkrankung im Mund hat oder unter einer ausgeprägten Schluckstörung leidet.
2) Wenn Kinder einfach keine Medikamente oral einnehmen wollen.
3) Oder wenn man den sogenannten „First Pass Effekt“ umgehen will.

Mit dem „First Pass Effekt“ meinen wir Mediziner folgenden Umstand: jedes oral eingenommene, also heruntergeschluckte Medikament gelangt über den Darm in den Blutkreislauf und muß zunächst über die sogenannte Pfortader die Leber passieren. Hier kommt es schon oft zu einer ersten Abschwächung der Wirkung des Medikamentes. Das passiert bei der Gabe eines Zäpfchen nur sehr eingeschränkt. Und jetzt werden sich viele bestätigt sehen, die die Wirkung von Fieberzäpfchen bevorzugen. Übrigens die allerbeste Wirkung erzielt man natürlich wenn ein Medikament direkt mit einer Spritze in die Vene hinein verbracht wird, z.B. in der Ellenbeuge. Deshalb bekommen Kinder, die beispielsweise sehr schwer Luft bekommen im Rahmen eines Asthmaanfalls oder ähnlichem in der Klinik immer erst einmal eine Spritze, weil sie am schnellsten und besten wirkt.

Zuletzt beschäftigen wir uns noch mit der Frage, warum so viele Eltern Probleme mit der Gabe von Zäpfchen haben. Die Antwort ist eigentlich recht simpel. Zäpfchen sind aus einem Material gefertigt, was von vornherein extrem gut gleitfähig ist und wunderbar in den Enddarm rutscht. Haben Sie keine Scheu, dass Zäpfchen tief einzustecken. Es kann nichts passieren. Mit einem Zäpfchen können sie Ihr Kind nicht verletzen. Und jegliche, sicher gutgemeinte weitere Unterstützung dieser Gleitfähigkeit ist kontraproduktiv. Cremes an Zäpfchen brennen im Po, ebenso Leitungswasser. Wundern sie sich also nicht, wenn Ihre Kinder Angst bekommen, wenn sie mit eingecremten oder naß gemachten Zäpfchen traktiert wurden. Erwärmen sie die Zäpfchen, falls sie im Kühlschrank lagen, ein wenig mit der Hand, aber mehr bitte nicht. Und noch ein letzter Hinweis für Eltern, deren Kinder die Zäpfchen immer wieder herausdrücken. Sie werden sich jetzt sicher wundern, aber man kann Zäpfchen auch ganz unproblematisch mit der stumpfen Seite zuerst verabreichen. Dann schiebt der Darm das Zäpfchen nämlich eher hinein als wieder heraus. Man sieht das sehr schön an der Form der abgebildeten Rektalkapseln, die diesem Umstand in idealer Weise gerecht geworden sind.

Also keine Angst vorm Zäpfchen. Aber bitte nur das Zäpfchen und keinerlei Cremes, wenn sie ihren Kind einen Gefallen tun wollen.

Bis zum nächsten mal
Ihr Dr. Berlin