Was passiert mit dem Urin, ...

Nun soll endlich die Reihe über die  verschiedenen Untersuchungen weiter geführt werden. Lassen sie mich an der Stelle noch erwähnen, wie sehr sie dem Praxispersonal entweder eine Freude oder ein Ärgernis bereiten können. Bitte niemals Urin oder gar Stuhlgang im Marmeladeglas oder noch schlimmer in einem Tuppergefäß mitbringen. Es gibt für alles professionelle Gefäße bei uns. Ersparen sie den Arzthelferinnen das Umfüllen von Ausscheidungen jeglicher Art und das Säubern des mitgebrachten "Ersatz"-gefässes.

Wann immer wir von einem Patienten Urin möchten, es ist immer sinnvoll Mittelstrahlurin aufzufangen. Das geht ganz einfach. Lospieseln und dann während des Wasserlassens kurz den Becher in den Urinstrahl halten. Das geht gut zu Hause, aber auch in der Praxis. Natürlich nicht bei Säuglingen. Hierfür gibt es spezielle selbstklebende Beutel, mit denen man den Urin auffangen kann. Bei Knaben ist das natürlich ganz einfach, aber auch bei Mädchen geht es gut. Folie abziehen, Beutel aufkleben und abwarten. Es hat sich als praktisch erwiesen, den Beutel sehr früh am Morgen oder gar in der Nacht aufzukleben, dem Kind reichlich zu trinken zu geben und sich mit Kind und aufgeklebtem Beutel auf den Weg in die Praxis zu machen. Der Urin sollte frisch sein, zumindest vom selben Tag und keine Verunreinigungen enthalten, insbesondere keinen Stuhlgang. Übrigens sind auch Apotheken gern bereit, Ihnen einen Urinbecher mit Deckel oder einen Urinbeutel zu geben, falls Sie vorhaben Urin beim Arzt abzugeben. So haben sie auch am späten Nachmittag oder frühen Abend die Möglichkeit, sich ein Gefäß zu organisieren ohne zum  Arzt fahren zu müssen. Wie bei fast allen Laboruntersuchungen ist der Freitagnachmittag ein ganz schlechter Zeitpunkt, Urin abzugeben. Versuchen sie immer, solche Dinge vormittags zu erledigen. Sie erleichtern der Praxis die Arbeit enorm.

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Was wird in der Regel untersucht ? Hier sollen die gängigen nicht die exotischen Untersuchungen beschrieben werden. Im Urin dürfen keine Entzündungszeichen zu erkennen sein, kein Blut, kein Eiweiß, kein Zucker, keine Bakterien oder Viren vorhanden sein. All das wäre nicht normal. Einen Teil des Urin können wir bereits in der Praxis untersuchen. Mit Hilfe von Sticks sehen wir schon eine ganze Menge, bzw. können vieles ausschließen. Dazu wird ein solcher Stick in den Urin getaucht und an Hand der Farbveränderungen der vielen verschiedenen Felder kann eine Einschätzung vorgenommen werden. Gibt es hier bedenkliche Veränderungen, so  wird der Urin meist weiter in ein mikrobiologisches Institut geschickt. Insbesondere bei einer Blasen- oder Nierenbeckenentzündung ist es sehr wichtig, untersuchen zu lassen, welche Bakterien die Entzündung ausgelöst haben und welche Antibiotika gut wirken. Selbstverständlich wartet man aber diese Ergebnisse (es dauert Tage) nicht ab, sondern beginnt mit einer Behandlung, von der man annimmt, sie wird gut funktionieren. Nichts wäre schlimmer als ein Kind mit Schmerzen warten zu lassen bis ein Ergebnis aus dem Labor zurück kommt. Eine Korrektur kann dann bei Bedarf nach Vorliegen des Laborergebnisses sinnvoll vorgenommen werden. Aber es gibt natürlich noch jede Menge andere Erkrankungen außer einer Blasenentzündung, die man im Urin rechtzeitig sehen kann. So kann Urinzucker auf Diabetes hinweisen, Blut im Urin neben Entzündungen auch auf Nierensteine deuten, zuviel Eiweiß eine Störung der Filterfunktion der Nieren ankündigen. Nicht zuletzt können wir mit Hilfe des Urins abschätzen, wie dramatische eine Magen-Darm-Grippe ist und ob eine Krankenhauseinweisung sinnvoll oder notwendig  ist oder nicht. Also sollte man ruhig großzügig sein mit der Entscheidung einer Urinuntersuchung. Sie tut nicht weh im Gegensatz zur Blutentnahme und ist relativ einfach zu  realisieren.

 

Auch hier gilt vieles, wie bei anderen Laboruntersuchungen auch. Fragen sie den Arzt nach folgenden Dingen:
 

Was wurde untersucht?
Wurde die Untersuchung in der Praxis durchgeführt ?
Ist eine Probe an ein auswärtiges Labor geschickt worden ?
Bei Vertretungen oder im Notdienst sehr wichtig; auf welchem Weg bekommen mein behandelnder Kinderarzt oder ich selbst das Ergebnissen der Untersuchung mitgeteilt  ? 

 

Ihr Doktor Berlin