Die Blutuntersuchung

An dieser Stelle soll einmal aufgelistet werden, was man bei einer Blutentnahme alles planen und beachten sollte, wie sich dieses Verfahren in der Kinderheilkunde doch deutlich von der sogenannten Erwachsenenmedizin unterscheidet und warum es oft um ein vielfaches komplizierter ist, einem Säugling Blut abzunehmen.
Es werden verschiedene Techniken erläutert und es wird erklärt, warum wir oft 6 Hände benötigen um zum Erfolg zu kommen.
Und warum sich Eltern vorher Gedanken machen sollten, ob sie irgend welche Wünsche bezüglich der Analysen haben.
 

Das Abnehmen von Blut geschieht in der Kinderarztpraxis oder der Kinderklinik etwas anders als üblich. Man braucht eine akzeptable Vene. Was die Ärzte der Erwachsenenmedizin bei besonders schwergewichtigen und beleibten Patienten oft verzweifeln lässt, beschäftigt uns Kinderärzte eigentlich permanent. So sind wir daher auch sehr erfinderisch geworden. Die Vene in der Armbeuge ist nicht immer unser Favorit. Bei Säuglingen suchen wir oft ein solches Gefäß am Kopf; seien sie versichert, dass das nicht mehr oder weniger schmerzhaft ist wie an anderen Körperregionen. Nicht selten nehmen wir auch am Handrücken das But ab. Für Kopf und Handrücken nimmt der Kinderarzt in der Regel die Kanüle allein ohne Blutröhrchen in die Hand. Alles andere wäre hinderlich, würde stören und nicht zum Ergebnis führen. Stellen sie sich ein großes Blutröhrchen mit einer entsprechenden Kanüle bei einen 2000 Gramm schweren Baby vor, von Frühchen will ich erst gar nicht reden. Die Kanüle wird also allein in die Vene geführt, das Blut läuft heraus und tropft in das geöffnete Röhrchen. In dem Moment, in dem das Rörhchen geöffnet wurde, ist allerding der Unterdruck, also das Vakuum das das Blut sonst aus der Vene zieht, nicht mehr vorhanden. 

An der Armbeuge benutzen wir in der Regel Venülen. Das sind kleine Buttfly-Nadeln mit Schlauch, denn auch hier ist das Röhrchen viel zu unhandlich, um direkt an die Kanüle angesteckt zu werden.
Voraussetzung für die Blutentnahme ist natürlich eine entsprechende Stauung des Blutflusses in der Vene. Noch heute nennt man diese Vorrichtung „Stauchschlauch“. Nicht so am Kopf natürlich, hier muss die Arzthelferin versuchen, mit dem Daumen die Vene zu stauen. Überhaupt sind häufig zwei bzw. drei Personen nötig, um bei einem Kind korrekt Blut abnehmen zu können, also 6 Hände für ein Kind. Selbverständlich gehören aus hygienenischen Gründen sowohl in unserem, als auch im Interesse der Kinder Handschuhe, Tupfer und Desinfektionsmittel dazu.

Nun zu den Röhrchen. Die Röhrchen haben verschieden farbige Deckel. An der Farbe des Deckels erkennt man die Zuordnung zu den entsprechenden Untersuchungen. In den Röhrchen sind keine oder verschiedene Konservierungsstoffe enthalten, je nachdem welche Untersuchungen geplant sind. Man kann aus einem braun gekennzeichneten Röhrchen bespielweise kein Blutbild bestimmen lassen. Es ist also sehr sinnvoll, wenn man vorher weiß, welche Untersuchungen man geplant hat. Eltern sollten sich demzufolge auch darüber Gedanken machen, was sie zusätzlich noch interessiert. Einen speziellen Untersuchungswunsch zu äußern, wenn die Nadel schon wieder draußen ist, kann schwierig werden, wenn gerade dafür ein spezielles Röhrchen benötigt wird. Niemand möchte das Kind dann noch einmal stechen.
Wenn auf klassische Weise das Blut abgenommen wird, dann herrscht im Röhrchen ein Vakuum, also ein Unterdruck. Wird das Röhrchen dann auf die Venüle (Butterfly) aufgesetzt, zieht der Unterdruck des Röhrchens das Blut eigenständig aus der Vene, was manchmal mit einem plätscherten Geräusch einher gehen kann. Wurde der Deckel des Röhrchens auch nur eine Sekunde geöffnet scheidet dieses Verfahren aus. Man nimmt am besten gleich ein neues Röhrchen.

Es sollte also alles vorher gut überlegt und besprochen sein. Welche Untersuchungen planen wir, welche Röhrchen benötigen wir dafür, auf welche Art wollen wir das Blut abnehmen. Am besten ist man auf mehrere Alternativen vorbereitet. Allerdings kann man bei einem Kind nicht unendlich viel Blut abnehmen. Setzen sie doch mal eine durchschnittlich mit Blut gefülltes Röhrchen eines 80kg schweren Mann mit dem eines 2kg leichten Babys ins Verhältnis. Das kann schnell zur artifiziellen Blutarmut des Kindes führen.

Übrigens kleben wir auf Wunsch allen Kindern vor der Blutentnahmen eine „Emla“-Pflaster auf die potentielle Stelle der Blutentnahme, zuweilen auch zwei, damit die Angelegenheit schmerzfreier abläuft. 

Viel Spaß beim Lesen des blogs und keine Sorge, falls sie mit ihrem Kind zum Blutabnehmen kommen müssen. wir geben uns alle Mühe.

Ihr Doktor Berlin.