Wer hat denn nun eigentlich recht ???

In letzter Zeit wird in der Politik immer gern von einem „postfaktischen“  Zeitalter gesprochen.  Aber was heißt das?

Gemeint ist der Umstand, dass eine Behauptung nur oft genug wiederholt, im Internet veröffentlicht und in den sozialen Netzen verbreitet werden muß, bis es als Wahrheit akzeptiert wird; ohne Anspruch auf Wahrheitsgehalt.

Was in der Politik plötzlich angemahnt wird, hat in der Medizin schon längst Einzug gehalten. Wenn Hebammen beispielsweise gebetsmühlenartig wiederholen, dass Babys von D-Fluoretten Bauchschmerzen bekommen, dann glaubt dass am Ende jede junge Mutter, denn schließlich weint das Baby ja in den ersten Wochen reichlich.

In dieser Misere stecken wir alle und ein Ausweg scheint nicht in Sicht. Wer hat denn nun Recht?  Die Krankenschwester auf der Entbindungsstation, die Hebamme, die Schwägerin, der Kinderarzt, seine Arzthelferin, die Großeltern? Eine schier aussichtlose Situation.

Aber so schwierig ist das gar nicht, wenn man sich vergegenwärtigt, woraus Menschen ihre Erkenntnisse schöpfen. Aus Forschung und Erfahrung.

Betrachten wir den Wissensstand der Menschheit in der Vergangheit. Natürlich wußten die Menschen früher deutlich weniger als heute. Vor 1876 hatte man nicht einmal Kenntnis von Krankheitserregern. Man wußte nicht, daß es Bakterien und Viren gibt. Man dachte Krankheiten seien schicksalhaft, man wußte nicht, daß  Streptokokken Scharlach machen, oder Pneumokokken Lungenentzündungen. Man wußte natürlich auch nicht, daß Vitamin D für die Entwicklung der Knochen, Jodid für die Schilddrüse notwendig sind und Flourid  Karies verhindert. An die Wirkung von Impfstoffen war gar nicht zu denken.

Wie soll aber nun dieser enorme medizinische Wissenzuwachs der letzten Jahrzehnte verarbeitet werden? Wer soll das alles sortieren? Und wer hat denn nun tatsächlich Recht, mit dem was er empfiehlt oder sagt?

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Dazu wurden sehr kluge Einrichtungen geschaffen. Leitende Wissenschaftler führender Universitäten tragen ihr weltweit gesammeltes Wissen zusammen und erstellen Behandlungsrichtlinien, unterteilt nach Fachgebieten. So gibt es medizinische Fachesellschaften, in denen sich kluge Menschen die Frage stellen, wie kann am effektivsten und nach den modernsten Erkenntnissen diese oder jene Krankheit behandelt werden. Auf uns bezogen ist das die Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Aber es gibt auch andere Gesllschaften, die uns beeinflussen, so die Gesellschaft für Zahnheilkunde oder Ernährungsmedizin. Demzufolge gibt es Regeln, nach denen im jeweiligen Land die Menschen medizinisch betreut und behandelt werden. In der Regel heißen sie “Richtlinien“. Richtlinien sind keine Gesetze. Aber sie sind eine sehr gute Richtschnur für die Ärzte bei der Behandlung ihrer Patienten. Die Behandlungsrichtlinien einzelner Länder unterscheiden sich hier und da ein klein wenig, aber nicht im Grundsatz. So wird ein Kind mit Asthma in den USA nach den gleichen Richtlinien behandelt wie in Deutschland. Und das ist gut so. Denn jeder möchte doch auf der Grundlage neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse therapiert werden. Die Wissenschaftler dieser Welt tauschen sich auch permanent untereinander aus und modifizieren die medizinischen Leitlinien; vielleicht geringfügig angepaßt an ihr eigenes Land. So kommt es, daß Kinder in verschiedenen Ländern zu etwas unterschiedlichen Zeiten, möglicherweise den jeweiligen Vorsorgeplänen entsprechend geimpft werden. Aber alle Kinder auf der Welt bekommen letztlich die gleichen bzw. ähnliche Impfungen. Das verbirgt sich übrigens hinter dem Begriff "Schulmedizin".

Aber was bedeutet das für uns im Alltag? Ärzte sollten die Leitlinien kennen, um ihre Patienten danach behandeln zu können. Natürlich können und sollten diese Regeln dem jeweiligen Patient entsprechend modifiziert werden. Aber wenn ich sie nicht kenne oder bewußt davon abweiche, habe ich das dem Patienten mitzuteilen. Der Patient hat das Recht darauf, zu wissen, ob er nach den Regeln also den Richtlinien behandelt wird oder auf der Grundlage der persönlichen Meinung des Arztes. Für andere Mitarbeiter des Gesundheitswesens gilt das gleiche. Wenn ihnen jemand einen Rat gibt, etwas zu tun oder zu lasssen, müssen sie sich immer fragen, ist das nach den Regeln oder teilt mir derjenige gerade seine persönliche Meinung mit oder erzählt er mir gerade Dinge, die er irgendwo gehört oder gelesen hat. Fragen sie sich immer, ist das jetzt die Regel oder weiche ich mit der Entscheidung in Bezug auf mein Kind deutlich von dieser Regel ab. Das gilt für Impfungen, Asthma und andere schwerwiegenden Erkrankungen genauso wie für das leidige Thema D-Fluoretten.

Nur nebenbei, sowohl die Gesellschaften für Kinderheilkunde und Ernährungsmedizin, als auch die Gesellschaft der Zahnärzte plädieren für die D-Fluoretten. Aber das nur am Rande.

Also glauben sie nicht alles, was ihnen erzählt wird. Fragen sie sich nicht, ob die Schwägerin oder die beste Freundin nun recht hat, sondern halten sie sich an die Fakten und den aktuellen wissenschaftlichen Stand der Erkenntnisse. Und vergessen sie ihren gesunden Menschenverstand nicht.

Ihr Dr.Berlin