Der Body, ein Kleidungsstück, das die einen lieben, die anderen nicht.

Das heutige Thema ist nicht direkt medizinischer Natur, hat aber mit der Arztpraxis und im besonderen mit der Kinderarztpraxis zu tun. Wir wollen ein Kleidungsstück von allen Seiten beleuchten. Aus der Sicht der Mütter und aus der Sicht des Kinderarztes und der Arzthelferinnen. Zu der Meinung von Vätern zu diesem Kleidungsstück kann hier nicht Stellung genommen werden. Ich glaube Väter erkennen das Problem erst, wenn sie allein mit dem Baby zum Arzt müssen.

Wenn wir einmal ein wenig in die Vergangenheit zurück schauen, so ist es letztlich noch nicht so lange her, dass die Babys mit vielen Bändern gewickelt wurden. Daher kommt ja auch der heute noch hier und da übliche Begriff des "Wickelns", wenn Kinder eine saubere Windel benötigen. Ebenso gebräuchlich ist das Wort "Windeln". Heute heißt das schlicht und ergreifend "Pampern". So  hat das Wort Pampers als eine allgemeine Bezeichnung für eine Wegwerfwindel Einzug in unseren Wortschatz gefunden. So ähnlich wie das Wort Tempo für ein Papiertaschentuch oder wie im amerikanischen das Wort Xerox für eine Kopie. Dann kam irgendwann der Strampler. Der Strampler hat seinen Namen bekommen, weil die Babys endlich ein Kleidungsstück bekamen, in dem sie sich viel freier bewegen als bei der gewickelten Variante,  also besser strampeln konnten. Um so  weniger ist zu verstehen, dass heute wieder das Pucken in Mode gekommen ist. Das Pucken ist  eine Variante des Wickelns und stammt aus vorigen Jahrhunderten. Und heute haben wir nun den Body.

 

Aus der Sicht des Babys ist der Body ein ausserordentlich komfortables Kleidungsstück. Es gibt noch mehr Bewegungsfreiheit für das Kind als der Strampler. Zum Wechseln der Windel, also zum "pampern" müssen die Beine des Kindes nicht mehr aus und in den Strampler gefädelt werden. Ausserdem bietet der Body den Müttern die  Möglichkeit, das Baby noch zusätzlich mit anderen hübschen Einzelstücken zu kleiden. So manches Baby kommt heute richtig chic daher. Also  praktisch für das Baby und die Mutter. Aber was ist mit dem Kinderarzt ? Der steht permanent vor den Babys und Kleinstkindern, möchte sie untersuchen und scheitert am Body. Wie soll ein Kind korrekt untersucht werden, wenn sich über dem geschlossenen Body noch eine Jeans und ein Pullover befinden. Manche Kinder sind eingehüllt wie ein Zwiebel. Hat man sich durch mehrere Schichten hindurch gearbeitet, scheitert man in letzter Instanz an der unüberschaubaren Vielzahl von Druckknöpfen eines Bodys.
Liebe Mütter ! Habt ein Herz mit eurem Arzt, und lasst den Body nicht zum Hassobjekt der Kinderärzte werden. Das hat dieses überaus clevere Kleidungsstück nicht verdient. An dieser Stelle vielleicht ein paar wenige einfache Regeln:
A) Wenn eine Arzthelferin sie auffordert, das Kind schon etwas auszuziehen, dann meint sie das auch wirklich so, und sie meint die Körperstelle, an der es ein Problem gibt. Bei Erkältungen und vor allem bei Husten meint sie natürlich auch den Body.
B) Bitte ziehen sie das Kleidungsstück über dem Body aus und öffnen sie den Body bevor der Arzt ins Zimmer kommt.
C) Ziehen sie bitte nicht an dem Body während er noch in der Hose steckt und der Arzt schon anwesend ist. Alle Kinderärzte dieser Welt träumen nachts von dem bloppenden Geräusch der aufspringenden (oder ausgerissenen) Druckknöpfe.
D) Und ein Letztes, liebe Mütter. Ziehen sie ihrem 5-järigen nicht mehr den Body seiner grossen Schwester an. Der Junge wird es ihnen ewig danken.

Machen sie ihren Kinderarzt glücklich indem sie ihm ein zu Teilen ausgezogenes Kind mit geöffnetem Body präsentieren wenn er ins Zimmer kommt. Sie ahnen nicht, wieviele Sympathiepunkte sie mit einer solchen simplen Handlung einholen können.

Ihr Doktor Berlin