Der große Lauschangriff ...

Was können wir in unserem Körper hören ?

Das Hörrohr,  die Horche, das Stethoskop ist ein sehr wichtiges Requisit eines jeden Arztes. Aber was kann man wirklich alles damit hören? Und was kann der Patient zu einem erfolgversprechenden Ergebnis einer solchen Untersuchung beitragen? 

Hören kann der Arzt natürlich nur Geräusche, die seine Ohren wahrnehmen können und somit Organe, die auch solche Geräusche erzeugen. Ein Stethoskop entspricht einem Mikrofon, Verstärker und Lautsprecher und ist nach wie vor in seiner Bauart unübertroffen, obwohl es schon elektronische Geräte gibt.

Aber um welche Organe des Körpers geht es? Geräusche erzeugen das Herz, große Blutgefäße, die Lunge und die Bronchien sowie der Bauch bzw. der Darm mit seinen zuliefernden Organen.

Beginnen wir mit dem Bauch, weil der am einfachsten ist. Da gibt es entweder keine Geräusche, also Stille, oder zu viele bzw. zu laute Geräusche. Im gesunden Zustand des Kindes hört der Arzt  normale Darmgeräusche. Hört er zu viele und zu laute Geräusche, handelt es sich meistens um eine Infektion, eine Magendarm-Grippe mit Durchfall. Hört er jedoch nichts, herrscht also absolute Stille im Bauch, (möglicherweise gepaart mit starken Bauchschmerzen), dann ist Gefahr in Verzug. Es kann sich um einen Darmverschluß oder ähnliches handeln. Der Darm hat seine Tätigkeit praktisch eingestellt. Jetzt sollte gehandelt werden und der Weg ins Krankenhaus angetreten werden, jedoch ruhig und besonnen.

Anders verhält sich das Herz. Hört der Arzt das Herz nicht mehr, ist das sofort eine lebensbedrohliche Situation. Jedoch kommt das, Gott sei Dank, selten vor. Am Herzen hört man normalerweise den gesunden Herzschlag, bestehend aus einem Doppelschlag. Der Arzt hört auf diesen Doppelton an verschiedenen Stellen des Brustkorbs. Diese Töne entstehen durch das Pumpen des Herzens und durch die Herzklappen. Es werden falsche Nebengeräusche ausgeschlossen, die Schnelligkeit (Herzfrequenz) überprüft und die Gleichmäßigkeit (Herzrhythmus) beurteilt. Hier haben wir bei Kindern bereits eine Besonderheit. Kinderherzen schlagen viel schneller als die ihrer Eltern. Je jünger das Kind desto schneller das Herz; Babyherzen schlagen unglaublich schnell. Fieber treibt ebenfalls den Herzschlag in die Höhe. Bei hochfiebernden Kindern kann also das Herz schon mal rasen. Kinderherzen werden auch beim Einatmen langsamer und beim Ausatmen wieder schneller. Das hat schon so manchen Hausarzt verwirrt. Das ist keine Rhythmusstörung. Um das Herz eines Kindes gut hören zu können, sollte das Kind also nach Möglichkeit ruhig und normal atmen. Also keine Geräusche machen und nicht tief Ein- und Ausatmen. 

Jetzt zu Lunge und Bronchien, die sich wiederum anders verhalten. Wir wollen hören wie die Luft beim Atmen durch die Luftröhre und Bronchien in die Lungenbläschen gelangt und wieder heraus kommt. Es gibt gravierende Unterschiede bei den Geräuschen des Ein- und Ausatmens. In diesem Zusammenhang ist es enorm wichtig für den untersuchenden Arzt, daß die Kinder, ohne mit dem Mund Geräusche zu machen,  langsam tief ein- und ausatmen. Auf diese Art und Weise kann er hören, ob das Kind gesund ist, eine Bronchitis oder gar eine Lungenentzündung hat oder etwa eine kleine Nuß in die Atemwege bekommen hat. Asthma beispielsweise macht besondere Geräusche bei Ausatmen.
Viele Kinder atmen plötzlich besonders wenig, wenn der Arzt mit dem Stethoskop kommt, manchmal wird sogar im entscheidenden Moment die Luft angehalten. Üben Sie das ruhig mit ihren Kindern. Zur Findung der Diagnose kann das enorm hilfreich sein. Natürlich muß hier die Frage nach schreienden Babys gestellt werden. Beim schreienden Säugling sind wir Kinderärzte tatsächlich auf den Moment des Einatmens angewiesen. Es müssen uns also die kurzen Momente des Luftholens zwischen dem Schreien reichen. Das braucht Erfahrung und viel Geduld. 

Noch ein Wort zu Dingen, die Sie sicher schon erlebt haben. Abhören durch die Kleidung kann man im Notfall machen, ist aber unprofessionell. Sie können sich vorstellen, wie schwierig es wird bei aller Problematik nun auch noch zusätzliche Raschelgeräusche von Kleidungsstücken im Stethoskop zu hören. Und dann gibt es noch das blitzschnelle Auflegen des Stethoskops an verschiedensten Stellen, das wesentlich kürzer ist als ein Atemzyklus oder die Folge von 2-3 Herzschlägen. Das ist eine symbolische Handlung ohne medizinischen Wert. 

Im nächsten „Blog“ beschäftigen wir uns damit, was der Arzt sieht, wenn er in Mund Ohren und zuweilen in Nasen schaut.

Ich freue mich auf Sie. Ihr Doktor Berlin.